Camping La Roccia, Lampedusa

Herzlich willkommen im ZenPeacemaker Kreis Bonn!

Den ersten ZenPeacemaker Kreis Bonn habe ich noch mit meinem Mann Reiner Seido Hühner gegründet, nachdem wir am 4. Juni 2011 in Bonn die Laien-Gelübde genommen hatten. Während ein paar Jahren boten wir monatlich einen „ZenPeacemaker-Tag der Reflexion und Besinnung“ an. Was für eine intensive Zeit! Das erste Pfingst-Treffen der Zenpeacemaker Deutschland (2. Generation) fand dann auch in Bonn statt, ein ganzes Wochenende, mit Zeugnis-Ablegen am „Friedensmuseum Remagen“, Geh-Meditation über die „Goldene Meile“, einem „Council-Circle“ unter der berühmten „Brücke von Remagen“ und der Zeremonie „Gate of Sweet Nectar“ in der „Kapelle der Schwarzen Madonna“. Seitdem haben die Pfingsttreffen der Deutschen Zenpeacemaker an verschiedenen Orten stattgefunden, in Berlin, Detmold und Holzkirchen bei Würzburg.

Der 1. ZenPeacemaker Kreis Bonn, hatte vor drei Jahren ein Sabbatical genommen und geht nun, im Sommer 2017, mit mir als Steward, erneuert an den Start. Mein herzlicher Dank für die solidarische Unterstützung geht an den Dharmahalter der ZenPeacemaker Kreise Christopher Mark Starbucks aus Liverpool.  Mit Reiner lebe ich in Trennung, wir sind weiter freundschaftlich verbunden.

Ich freue mich sehr über diese Wiederbelebung des Kreises. Ebenso blicke ich voller Freude und Neugier darauf, wie wir den Kreis als nie versiegenden Brunnen für unseren Weg, Mitgefühl zu verkörpern nähren werden. Wie jedeR von uns liebevoll und konkret für unseren erweiterten Körper, die Welt, sorgen wird oder die tägliche und tätige Sorge für „andere“ neu erfahren und bewerten wird.

Die „Tage der Besinnung“

Vor ca. 10 Jahren muss ich im Waldhaus am Laacher See das Buch von Bernie Glassman  gefunden haben: „Zeugnis Ablegen in Auschwitz.“
Ich war so bewegt, auch von den speziellen Auslegungen der zehn Gelübde, die durch folgenden Text eingeleitet werden:
“ Friedensstifter und Friedensstifterinnen aller Zeiten und aller Orte haben diese zehn Gelübde befolgt. Auch ich, …, werde Folgendes praktizieren: …

An den diesen Tagen beginnen wir mit der Rezitation des „Reue-Verses“, gefolgt von den „Regeln des Zen-Peacemaker-Ordens“, den „Drei Grundsätzen“, den schon erwähnten „Zehn Gelübden“, und wir schließen mit der „Widmung“.
Termine: 2018:  Samstag, 24.2., Sonntag (!), 11.3., Samstags, 28.4., 16.6.2018.

 

Peacemaker-Tage finden jeweils am Samstag statt. An diesen Tagen widmen wir uns dem Thema : „Mensch sein in unserer Stadt“.

Beispiele aus unserer Praxis:

-Zen-Kreis-Gespräch auf dem Bonner Marktplatz; Geh-Meditation zum Übergangsheim für Flüchtlinge in der Wihelmsstrasse; Führung durch das ganze Gebäude; Kreis-Gespräch im Foyer.

-Geh-Meditation zur Rheinischen Landesklinik und dort zurInstallation der Erinnerung an die gefolterten und ermorderten behinderten Säuglinge und Kinder in Nazi-Deutschland. Sitzen in Stille. Schreiben, lesen. Zeremonie mit Kerzen und Blumen. Meditation und Gebet in der Klinik-Kapelle. Kreis-Gespräch.

Drei- bis viermal im Jahr begehen wir die ZenPeacemaker-Tage als „Tage der Besinnung“, an denen wir länger als sonst in Stille sitzen und unsere Praxis im Kreis-Gespräch reflektieren. (Wahrscheinlich 11.3.2018, das kann sich jedoch noch ändern). Am 16.9. haben wir uns z.B. im Zendo-Bonn getroffen und meditiert und sind danach auf den Alten Friedhof Kessenich, in achtsamer Stille, gegangen, um zu sitzen, zu schreiben, und sich hinterher im Zen-Kreis-Gespräch auszutauschen.

 

Die Zeugnis-Ablegen-Retreats bzw. Zeugnis-Ablegen-Pilgerreisen
Gerade befinde ich mich zu Beginn meines elften Retreats insgesamt bzw. der zweiten Pilgerreise nach Lampedusa. Neun Zeugnis-Ablegen-Retreats wurden jeweils von anderen inspirierten ZenPeacemakern ins Leben gerufen, koordiniert und geleitet. Die beiden Lampedusa-Reisen habe ich mit der Unterstützung von Freundinnen und Freunden kreiiert und koordiniert, die erste wurde von Frank De Waele Roshi aus Gent (Belgien) geleitet.
Ich warte in Verona auf den Flug nach Lampedusa, unser Kooperationspartner Giacomo Sferlazzo wird unsere Kleinstgruppe abholen und in sein Haus fahren.Fünf von Bernie Roshi Glassman und seinen Mitarbeitern geleitete Zeugnis-Ablegen-Retreats belegte ich von 2010-2014 in Auschwitz. 2010 fand mein erstes Retreat irritierenderweise im Juni statt, aus meiner Sicht eine „unmögliche Jahreszeit“, da meine innere Verfassung viel eher der eher kalten, grauen Novemberatmosphäre entsprach. 2010 fand im November ein erfolgreiches zweites Retreat mit jungen Menschen statt. Als Deutsche und Kind einer aus Posen vertriebenen Mutter und eines Vaters, der als Bataillonskommandant in der Wehrmacht gedient hat, gibt es besonders zu diesen fünf Jahren etwas mehr zu sagen.Das tragische Schiffsunglück vor den Küsten Lampedusas am 3. Oktober 2013, in welchem nahezu vierhundert geflüchtete Menschen ertranken, führte nicht nur zu einer spontanen Demonstration in Bonn und einer Zeremonie auf der Kennedybrücke, sondern auch zur Mitbegründung des Netzwerks „weltoffen“ sowie zur Eingebung, nach Lampedusa zu reisen. Tatsächlich legten dann im September 2014 zwölf Friedensstifterinnen und -stifter aus fünf europäischen Ländern auf Lampedusa Zeugnis ab.2015 ermutigte mich mein Zen-Mentor Genjo Marinello Osho, die jährliche Teilnahme am Sommer-Sesshin mit der Teilnahme am Black-Hills-Zeugnis-Ablegen-Retreat in Süd-Dakota zu verbinden. Auf diese Weise konnte ich einen intensiven Studienaufenthalt von 6 Wochen in den USA, vorwiegend im Tempel Chobo-Ji, verbringen.Das Retreat fand im Pine Ridge Reservat statt, gekrönt von einer Trauer-Zeremonie bei „Wounded Knee“, und war tagsüber von Zeremonien, Morgen-Council-Kreisen, Augenzeugenberichten, Podiumsdiskussionen, Kreisgesprächen und freiwilligem nächtlichem Gedenken am Feuerplatz bestimmt.2016 löste ich den Gewissenskonflikt, mich entweder für eine erneute Pilgerreise nach Lampedusa oder einer nach Athen (Piräus) entscheiden zu müssen, indem ich mich für die Nicht-Wissen-Pilgerfahrt nach Griechenland anmeldete. Während zwei Monaten (Mai-Juni) hielt Petra Zenryu Hubbeling „den Raum“ in Griechenland, d.h. man konnte einen bestimmten Zeitraum wählen und selbstverantwortlich anreisen. Zehn Tage verbrachte ich mit Jonas Hackethal, Petra, einige Tage auch mit Frank De Waele, Godfried De Waele sowie anderen „Geschwistern“ aus Holland und Amerika in einem Flüchtlingslager im Hafen von Piräus. Die Nächte verbrachten wir in einer kleinen Ferienwohnung am alten Hafen.2017, also in diesem Jahr, fand das einmal verschobene Bosnien-Herzegowina-Zeugnis-Ablegen-Retreat statt. Vorher allerdings, im März, machte ich mich auf eine private Pilgerreise auf, um die syrisch-kurdische Familie bei Kiel zu besuchen, die mich in Piräus schon am ersten Retreat-Tag eingeladen hatte. Diese Familie hatte es inzwischen, zum Teil nacheinander, nach Deutschland „geschafft“. Von Vater und Ehemann Achmed schon erwartet. Ein paar Tage mit Nor, meiner dreizehnjährigen Freundin, ihrer Mutter Sabah, ihrem Vater Achmed, dem jüngeren Bruder Ali, der gerade frisch aus Athen dazu gekommen war, verbringen zu dürfen, war schon ein ganz besonderes Erlebnis. Inzwischen ist, wie ich gestern hörte, auch der ältere Bruder Abdullah vor einigen Wochen in Deutschland eingetroffen. Allerdings darf er nicht bei der Familie leben, so verstand ich es, weil er schon volljährig ist.Das Bosnien-Retreat in Sarejevo im Mai war, wie alle diese Retreats, etwas ganz Besonderes. Bis dahin hatte ich noch keine muslimisch geprägte Stadt mit lauter Minaretten gesehen. Dass viele junge Menschen, die die Belagerung Sarajevos überlebt hatten, sich natürlich als Kriegskinder bezeichnen, hat mich stärker bewegt, als ich sagen kann. Ein Genozid IN Europa war geschehen, und Europa hat letztlich weggeschaut.Das Strassen-Retreat in Paris, Anfang Juni, mit Michel Roshi Dubois und Emmanuel Ollivier, war nicht eingeplant, aber notwendig. Notwendig für mich, so sehr fühlte ich mich gerufen. Die Weltlage schien sich zuzuspitzen, und etwas in mir verlangte nach einer stärkeren Ausrichtung.Vom in vielerlei Hinsicht starken, mich nachhaltig bewegenden fünfwöchigen Sommeraufenthalt mit Zen-Retreat in Seattle möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben. Auch eine ausführlichere, persönliche Stellungnahme zu allen Retreats, einzeln und insgesamt, werde ich bald schriftlich festhalten, um Zeugnis abzulegen.Jedenfalls folgt nun in Kürze die eher private Zeugnis-Ablegen-Reise nach Lampedusa. Sie wird unter dem Stern stehen: Freunde besuchen und Freundschaften vertiefen: Mit der Insel und kraftvollen oder kraftlosen Orten. Neue Freundschaften schliessen. Dem Flüchtlingslager mindestens einen Besuch abstatten. Den Bootsfriedhof und das „Museum der Migranten“ aufsuchen.
Zuhören, still werden.

Mein Schwerpunkt: Geflüchteten Menschen Freundschaft anbieten
Wie könnte ich bei dieser sich seit Jahren zuspitzenden schweren Lage der Flüchtlinge speziell aus Syrien, das unter unseren Augen in Schutt und Asche gelegt wurde und wird, unberührt, inaktiv bleiben? Fotos von dem qualmenden Aleppo und den schwarzen, gequälten Augen der Lebenden erinnerten mich an die Fotos europäischer Städte, den Fotos deutscher Städte, 1945 und danach, in unserem Familien-Fotoalbum oder in Ausstellungen. Die stockend erzählten Fluchtgeschichten einiger meiner syrischen Freunde, auf Englisch vorgebracht, erinnerten mich an unzählige kürzere oder längere Berichte, Gedichte und Essays, vorgetragen von Kriegskindern in meinen Dialog -und Schreibwerkstätten.
Nur, dass bei den aktuellen Leidens- und manchmal Wundergeschichten noch enorme sprachliche, kulturelle, religiöse Unterschiede dazu kommen. Meiner Mutter und ihrer Familie, die 1945 aus Vietz an der Ostbahn flüchteten, widme ich unter anderem meinen Einsatz.Vor ca. 28 Jahren gründete ich mit einem protestantischen Pfarrer in Beuel „Cafe International“. Das war unsere Antwort auf eine grössere Flüchtlingswelle, die zu einer lebendigen Gemeindearbeit anregte: Kleider- und Spielzeugsammlungen, Beratungsstunden, Deutschunterricht, gemeindeübergreifende Kooperationen, Feste mit gemeinsamem Kochen, Tanzen, künstlerischen Darbietungen gehörten dazu. Den iranischen Kurden und Dichter, den ich damals kennen lernte, treffe ich immer mal wieder; die beiden Schwestern aus Angola erzählen stolz von ihren Urenkeln, wenn wir uns begegnen, und die somalischen, grossen Familien, die ich mit meiner kleinen Tochter aufsuchte, mögen zu Ruhe und Frieden gefunden haben.
„Cafe International“ existiert immer noch, schon lange unter neuer Leitung. Sehr kompetent haben die konsequenten, engagierten Leitenden mit anderen und mir das Netzwerk für Flüchtlinge „weltoffen“ gegründet, kurz nach jener bewegenden Demonstration im Oktober 2013. Mir war der Zusammenschluss zu wenig offen für’s Spirituelle, so dass ich mich seit der Lampedusa-Pilgerreise etwas abkoppelte und meinen eigenen Weg quer zur Nur-Politik und quer zur Nur-Sozialen-Aktivität suchte.
Dass das Schicksal sowohl meiner eigenen geflüchteten Familie mütterlicherseits eine Rolle spielt, wie auch das Schicksal der verfolgten, gequälten, misshandelten, ermordeten jüdischen Schwestern und Brüder, der Sinti und Roma, der politisch Unbequemen und sexuell Gebrandmarkten, der Künstlerinnen und Schriftsteller, die nicht ausdrückten, was auf Linie lag – das alles liegt auf der Hand.Sozial engagierte Buddhisten, Zen Peacemaker, sozial engagierte Friedensstifter, Humanisten, ökologisch-interessierte Meditierende und sich-vernetzende Minderheiten, gewaltlose Feministen und Clubdenken-Überschreitende, dennoch ernsthaft Praktizierende, denen die nächsten sieben Generationen sowie Mutter Erde, alle Mütter und all ihre Kinder am Herzen liegen, ihnen gilt meine besondere Freundschaft.

 

BOSNIEN/HERZEGOWINA-Zeugnis-Ablegen-Retreat

7.5. – 12.05.2017

Weitere Infos unter: http://zenpeacemakers.eu/bearing-witness-retreat-bosnia/ 

Straßenretreat, Paris

02.06. – 05.06.2017

Weitere Infos unter: https://zenpeacemakers.eu/street-retreat-paris/

Eindrücke vom Straßenretreat:

2017 Zen Peacemakers Auschwitz-Birkenau Bearing Witness Retreat

06.11. – 11.11.2017

Weitere Infos unter: http://zenpeacemakers.org/2017-zen-peacemakers-auschwitz-birkenau-bearing-witness-retreat/

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Bernie Glassman Roshi, Gründer des Zenpeacemaker Ordens

Michel Dubois Roshi, Paris

Frank de Waele Roshi,
Zenpeacemaker Lage Landen, Antwerpen

Bernie Glassman im Interview

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Bernie Glassman: "The Dude and the Zen Master" | Talks at Google